Literaturübersetzung: Eine Kunst für sich - also Vorsicht bei der Übersetzer-Wahl!

Literaturübersetzung: Hier ist Vorsicht geboten!

Literaturübersetzung: Eine Kunst für sich - also Vorsicht bei der Übersetzer-Wahl!
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Übersetzung ist nicht gleich Übersetzung. Darum schau dir genau an, welche Art von Übersetzung du benötigst. Eine wirtschaftliche Übersetzung oder eine kommerzielle Übersetzung sind beispielsweise etwas anderes als die Übersetzung eines Vertrages oder eben die Literaturübersetzung. Aber selbst bei letzterer ist Vorsicht geboten, denn nicht alle Übersetzungs-Anbieter für diesen Zweck sind gleich gut.

Die Literaturübersetzung ist eine Kunst für sich

Hast du schon einmal einen Roman in Originalsprache und in Übersetzung gelesen? Bestimmt ist dir dabei aufgefallen, dass die Formulierungen im Original manchmal ganz andere sind. Doch woran das liegt das? Ist die Übersetzung einfach schlecht? Die Antwort darauf ist so einfach wie überraschend: Romane zu übersetzen ist im Gegensatz zu anderen Übersetzungen eine Kunst. Es kommt anders als beim Übersetzen von Verträgen nicht darauf an, den exakten Wortlaut wiederzugeben. Es ist viel wichtiger, die Stimmung und das Gefühl einzufangen, welches die Lesenden beim Lesen haben.

Holprige Formulierungen verderben den Lesespaß

Das Übersetzen von Büchern erfordert ebenso Kenntnisse in Sprachtheorie wie das Schreiben selbst. Denn holprige Formulierungen verderben den Lesespaß. Als Literaturübersetzer*in bewegt man sich daher immer zwischen den Vorgaben des Originals und dem eigenen schriftstellerischen Können.

Was macht eine gute Literaturübersetzung aus?

Eine gute Literaturübersetzung lebt von Emotionen. Die Lesenden sollen beispielsweise bei einem Liebesromans Schmetterlinge im Bauch verspüren. Sie können sich in die Figuren und die Handlung hineinversetzen. Das gelingt nur durch die richtige Wortwahl und passende Formulierungen.

Gleiches gilt für Thriller, Krimis und andere Genres. Ist die Stimmung im Original traurig muss sie das auch in der Übersetzung sein. Gleiches gilt für eine Entspannte oder heitere Note im Text.

Eine gute Literaturübersetzung geht jedoch noch viel weiter. Sie trägt nicht einfach nur die Grundstimmung, sondern rührt an denselben Stellen zu Tränen wie das Original. Oder bringt die Lesenden im richtigen Moment zum Lachen. Gute Bücher verursachen Emotionen und sie besitzen eine lebendige Sprache. Das muss auch die Übersetzung leisten, was manchmal zu Lasten des genauen Wortlautes geht.

Literaturübersetzung: Eine Kunst für sich - also Vorsicht bei der Übersetzer-Wahl!
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Bei der Literaturübersetzung ergeben sich ganz eigene Schwierigkeiten

Die Kombination aus Emotionen und Lebendigkeit stellt Übersetzer*innen immer wieder vor Herausforderungen. Dazu gehören Wortspiele, die sich meist nicht direkt von der Originalsprache ins Deutsche übersetzen lassen.

Aber auch Namen von Figuren können eine Schwierigkeit darstellen, wenn es sich um sprechende Namen handelt. Dies sind Namen, die etwas über die Eigenschaft oder Haltung einer Figur aussagen. Ein Beispiel dazu das ihr bestimmt kennt, ist die Figur der Rita Kimmkorn aus den Harry-Potter-Romanen. Im Original heißt sie Rita „Skeeter“. Der Name leitet sich vermutlich vom englischen Wort für abschießen und dem englischen Slang-Wort für Moskito ab. Dieser Name passt, wie ihr euch vielleicht erinnert perfekt auf die Figur: Sie ist nervig und schießt Leute literarisch in der Presse ab.

Der deutsche Name „Kimmkorn“ ist ähnlich aussagekräftig. Er klingt nervig (was Frau Skeeter/Kimmkorn definitiv ist) und deutet an, dass die Figur Leute aufs Korn nimmt und abschießt. Eine wörtliche Übersetzung des Namens war in diesem Fall wegen des Wortspiels im Englischen nicht möglich. Also hat die Übersetzerin sich dafür entschieden hier selbst künstlerisch kreativ zu sein – und das mit Erfolg. Denn hättet ihr ohne Namensübersetzung im Deutschen dieselbe Assoziation mit der Figur gehabt wie mit Übersetzung?

Die Arbeit eines Übersetzers ist daher nicht immer einfach. Die Literaturübersetzerin muss die Feinheiten der Originalsprache verstehen und all die darin enthaltenen Nuancen in die Zielsprache übertragen. Dazu gehören Begriffe aus dem Slang ebenso wie der Sprachfluss und die Bedeutungsebene einzelner Worte.

Das kann herausfordernd sein, den längst nicht alles was in der Originalsprache hervorragend klingt, funktioniert auch in der Übersetzung gut.

Ein paar Beispiele aus dem Englischen

„I will come and visit you, when I am in London.“ wäre ins Deutsche übersetzt: „Ich werde kommen und dich besuchen, wenn ich in London bin.“. Das klingt im Deutschen eher holprig. Erstrecht, wenn der Kontext des Satzes ergibt, dass es sich dabei nicht um ein festes Vorhaben handelt. Das liegt an zwei Eigenarten der Englischen Aussprache.

  1. Das Futur ist im Englischen in der Regel mit „will“ gebildet, im Deutschen jedoch in der Regel im Präsens. Im Deutschen verwendet man „will“ zu Deutsch: „werde“, hingegen nur wenn man betonen möchte, dass man etwas fest vorhat.
  2. Wo im Englischen zwei Verben Verwendung finden, nutzt man im Deutschen nur ein Verb, beziehungsweise ein verbundenes Verb. Beispiel „He began to climb the stairs“ wird zu „Er stieg die Treppe hinauf.“

Das heißt aus „I will come and visit you, when I am in London.“ wird im Deutschen je nach Kontext: „Ich komm mal zu Besuch, wenn ich in London bin!“. Also eine im Vergleich zu „Ich werde dich Besuchen, wenn ich in London bin.“, eine eher vage Formulierung. Eben wie der Originaltext sie tatsächlich vorsieht.

Die Probleme ergeben sich mehr oder weniger in allen Sprachen: Egal ob Übersetzer*innen Bücher auf Spanisch übersetzen oder auf Deutsch oder Englisch.

Die Literaturübersetzung bewegt sich stets wischen peinlicher Genauigkeit und künstlerischer Freiheit

Wer Bücher übersetzt, steht vor der Herausforderung, zwar Genauigkeit zu wahren, aber dieselbe Stimmung wie der Autor zu transportieren. Das setzt einiges an künstlerischem Können voraus.

Kinderbücher zu übersetzen ist dabei genauso anspruchsvoll wie die Übersetzung von Erwachsenenliteratur. Die Qualität muss am Ende stimmen unabhängig, ob die Bücher in Italienisch, Deutsch, Englisch oder eine andere Sprache übersetzt sind. Und das nicht nur bei Printmedien. Von einem professionellen Übersetzer kannst du nämlich auch dein eBook übersetzen lassen!